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… was zur Hölle?

Gran Tourismo 5: Licht und Schatten

Geschrieben am 11.12.2010 | Keine Kommentare

Da ich mir meine PS3 ja als BluRay-Player gekauft habe, würde ich natürlich niemals nie nicht ein Spiel drauf spielen. Getreu diesem Grundsatz hab ich mich neulich mit GT5 beschenkt. Das ist unterm Strich nämlich kein Spiel (oder als solches nur ein unzureichendes) sondern eher eine Sammelvitrine (für mehrheitlich japanische) Karrossen mit angeflanschtem Fahrsimulator. Oder von mir aus auch umgekehrt. Wenn man also Spass am reinen (simulierten) Fahren und am negativen Radsturz rumtüfteln zwecks optimieren der Rundenzeit hat, dann ist man bei GT5 trotz der Defizite richtig – denn die ebenfalls vorhandenen starken Momente von GT5 machen dann alles wieder wett. Erwartet man ein SPIEL mit gelungener Motivationskurve, heisser Aktion und so weiter, dann ist man hier verkehrt.

Wer hingegen in die Kategorie der Schrauber und Sammler fällt und GT5 vielleicht unterm Weihnachtsbaum oder im Nikolausstiefel haben wird/hatte – und vielleicht eher neu bei der Playstation-Aushängeschild-Serie ist, dem seien meine im anderen Artikel gepostet Einsteiger-Tipps ans Herz gelegt.

Ein Hinweis noch: Dieser gesamte Artikel ist meine rein private Meinung und erhebt keinerlei Anspruch auf Objektivität oder Korrektheit (was man eigentlich auch an den teilweise launigen Formulierungen erkennen sollte). Trotz der teilweise deutlichen Kritik, bereue ich den Kauf von GT5 keineswegs. Bin scheinbar auch ein Sammler und Schrauber :p

Es ist jeder aufgerufen sich sein eigenes Urteil zu bilden :-)

Viel Schatten …

Vorab zu den Defiziten von GT5: Zum einen das Balancing. Vieles ist bei richtiger herangehensweise derart lächerlich einfach, dass ich auch meinem Hund den Controller als Kauknochen geben könnte und nicht ohne Siegchancen wäre. Und anderes – teilweise in den ersten 2-3 Spielstunden erreichbares ist derart knüppelschwer – und vor allem brutal unfair – dass man sich unwillkürlich fragt, was es bei den Entwicklern in die Frühstücksflocken gab. An dem Spiel wurde angeblich 6 Jahre entwickelt. Ich würde mich nicht wundern, wenn alles, was in diesen 6 Jahren an Balancing passiert ist wie folgt ablief:

Entwickler A: Morgen muss das Spiel ins Presswerk und bei all dem Stress und der kurzen Entwicklungszeit hatten wir Null Gelegenheit den Schwierigkeitsgrad der verschiedenen Events und Aufgaben auszubalancieren.

Entwickler B: Lass uns völlig schwachsinnige Vorgaben zur Reifenwahl im ohnehin langweiligen B-Spec-Modus machen und den Rest so lassen. Dann können wir wenigstens sagen, wir hätten es versucht.

Entwickler C: Hätten wir in den 6 Jahren das Spiel nicht wenigstens ein einziges Mal mit dem Gamepad durchspielen sollen?

Entwickler A+B im Chor: Nee warum? Wir haben hier doch alle so geile Lenkräder rumstehen.

Damit hätte ich auch das zweite und dritte Defizit angesprochen: Es geht zwar alles auch irgendwie mit dem Gamepad und in den allermeisten Rennen auch gut genug, aber über die gesamte Bandbreite des Spiels gesehen ist das Gamepad nicht optimal und es müsste wohl eigentlich zwingend ein Lenkrad samt Pedalen her. Vielleicht bin ich auch einfach zu alt für derartige Fingerakrobatik (mit Analogknüppel millimetergenau lenken, mit dem anderen Analogknüppel feinfühlig bremsen/Gas geben und gleichzeitig mit den Schultertasten schalten). Automatik wählen und mIt den normalen Buttons Gas geben und bremsen funktioniert in den allermeisten Rennen gut genug, aber die ein oder andere Aufgabe ist so fast nicht auf Platz 1 zu beenden. Da versucht man sich dann doch an oben beschriebenen Szenario – nur um festzustellen, dass schon der Bruchteil eines Millimeters Daumenzucken beim schalten die Siegchancen ruinieren kann.

Und dann wäre noch der B-Spec Modus zu nennen, ein müder Versuch eines Renn-Ingenieur Modus, der sich auf Fahrzeug bereit- und einstellen und „Schneller“ oder „Langsamer“ sagen beschränkt. Das GT5-Gegenstück zum Hecklern (falls irgendwelche AO-Veteranen mitlesen). Das einzig positive, was man zum B-Spec Modus sagen kann ist, dass man prima einen Blogeintrag schreiben und sich mit Cocktails zulaufen lassen kann, während der strunzdoof agierende KI-Schützling mein völlig überzogen aufgerüstetes 719kw-Monster um den Kurs schlittern lässt und trotz ausbleibender (und ansonsten dringend notwendiger) „Schneller, du Hohlbirne“-Kommandos gegen die mit leidlich aufgepimpten Serienwagen um den Kurs zuckelnden KI-Gegner Geld und Autos gewinnt. Letzteres ist (neben der recht knappen Kohle) auch der einzige Grund, warum man sich das antut. Es gibt da die ein oder andere – für Einsteiger durchaus auch mal wirklich notwendige – Perle zu gewinnen.

Ansonsten ist die Musik – was natürlich Geschmacksache ist – von mir als belanglos bis naja empfunden worden (man kann aber eigene Musik einbinden, also geschenkt) und die Grafik schwankt zwischen durchaus gelungen und mittelmässig (auch bei den Autos, da von den 1000 Karossen nur 200 als ausgefeilte Premium-Modelle eingebunden wurden und die 800 Standardautos in Modelling und Texturierung teilweise stark abfallen. Ganz besonders furchtbar sind die groben Flackerschatten. Das geht echt garnicht. Ausserdem fallen die monströsen Ladezeiten auf. Vereinzelt selbst zwischen verschiedenen Menus. Trotz umfangreicher Festplatteninstallation. So kostet es gefühlte Ewigkeiten, wenn man vor Rennbeginn feststellt, dass man die passenden Reifen auf dem Auto nicht besitzt und zurück zum Teilehändler muss … und dann wieder zum Vor-Rennscreen. Der im Anschluss dann nochmal eine Wartezeit bedeutet. Das nervt.

… und ein bisschen Licht

Aber wenn man dann erstmal über die zwar bei den Bäumen mit wenig Mühe gestaltete, aber von der Streckenumsetzung beeindruckend (und was von so von anderer Stelle hört unter diesem Aspekt angeblich auch relativ realistisch gelungene) Nordschleife brettert – oder durch wirklich schöne Innenstadt-Kurse heizt, ist das auch wieder vergessen. Selbst der eine Nacht-Kurs, der an Rennspiele aus den 80ern erinnert.

„Halt deine verf***** F*****, virtueller Jeff Gordon!!!1111elf“

Exemplarisch für das meiner Meinung nach völlig missratene Balancing möchte ich 4 Beispiele anführen.

Fall 1: Der höchste(!) Wettbewerb der normalen Rally-Herausforderung (also nicht der Sebastian Loeb-Teil) auf einer Schneestrecke. Während einer der Wertungsprüfungen klingelt das Telefon. Liegt in anderem Raum. Schnell rüber und vergessen Pause zu drücken. Rangegangen, kurz telefoniert. Wiedergekommen. Weitergefahren. Die WP zwar verloren, aber die Gesamtwertung (Zeiten werden addiert!) trotzdem noch als Erster abgeschlossen. Mit großem Vorsprung. Sehr großem. Ohne weitere Worte.

Fall 2: Im eigentlichen Rennfahr-Bereich, dem A-Spec-Modus, gibt es im Prinzip keinerlei Leistungsbeschränkungen. Das einzige, was verlangt wird, ist beispielsweise „Italienische Autos“, „Heckantrieb“ oder auch Mal „Autos aus den 80ern“. Bezüglich Tuning und was man da für ein Japanisches Auto aus den 80ern bei Rennen XY fährt, gibt es keine Einschränkungen. Verpulvert man nun nicht sein mageres Startkapital für ein lausiges Level-Null-Autochen, sondern mach erstmal ein paar Lizenzprüfungen und fährt dann mit gestiegenem Level einige der sehr lukrativen Special-Aufgaben, kann man den A-Spec-Modus quasi komplett mit völlig überlegenen Autos fahren. Bei der Rempel-Ki ist das aber auch fast schon notwendig. Natürlich könnte man in einem Anfall von Selbstdisziplin auf das hemmungslose auftunen seiner Karosse und das geschickte Geld sammeln zwecks Traumwagenanschaffung verzichten … nur gehts nicht auch darum in GT5? Warum gibt es keine sinnvollen Beschränkungen im A-Spec-Modus? Vielleicht weil dann auffallen würde, dass die Rennen auch nicht wirklich spannend sind, wenn man mit ausgeglichenem Material fährt. Ein KI-Pilot fährt vorne weg. Mit etwas Glück hat man ein paar nette Duelle mit dem zweiten. Und der Rest der Meute ist nur dazu da im Weg rumzustehen – oder ins Auto zu rempeln. Meistens fährt man am Ende im Prinzip gegen die Uhr. Daran ist aber auch nichts falsch, wenn man zu Eingangs erwähnter Schrauer und Sammler-Spezies gehört.

Fall 3: Mein Hund knurrt und fletscht die Zähne, wenn Jeff Gordon einen Ton von sich gibt. Wirklich. Jeff Gordon ist der Superstar der Nascar-Szene und featured eine Art Nascar-Lehrgang. Lernen tut man da nicht viel. Ausser Kraftausdrücken aus der tiefsten Vorhölle herbeizuphantasieren. Ein paar der Aufgaben gehen ja noch. Aber wenn man das mal in Relation dazu setzt, dass man diese mit sehr sehr niedrigem Level (also als Anfänger) vorgesetzt bekommt, bleibt eigentlich nur ein WTF? Wenn es nicht so brutal knüppelhart und vor allem stellenweise unfair wäre. Motto: Sie haben das langsamste Auto, starten als letztes, haben lächerliche 2 Runden Zeit alle zu überholen. Wenn Sie ein anderes Auto berühren (ich denk wir reden hier von Nascar!) werden Sie disqualifiziert – und ach ja: die meisten anderen Fahrer haben kein anderes Ziel, ausser Sie brutal von der Strecke zu rempeln, wenn Sie es tatsächlich in ihre Nähe schaffen sollten. Wenn man erstmal rausgefunden hat, welche Optionen man hat, ist es zwar schaffbar … das heisst aber noch lange nicht, dass man es auf Gold schafft. Zu einer perfekten Leistung muss man teilweise noch ordentlich Glück haben. Was die Entwickler hier geritten hat, das will mir nicht einleuchten. Um wieder auf meinen Hund zurück zu kommen. Die Nascar-Aufgaben sind teilweise relativ kurz. Insbesondere das mit Pad wirklich nervig zu fahrende Pylonen-Drama. Ohne Lenkrad und mit den falschen Settings (auf die man auch nirgends hingewiesen wird) ist man chancenlos. Mit den richtigen Settings (siehe den Tipps&Tricks-Beitrag) aber ohne Lenkrad ist die Chance auf Gold bei einzelnen Prüfungen immer noch relativ gering. Bis dahin versucht man sich dutzende Male an einzelnen dieser 10-Sekunden-Rennen. Und immer nölt einem die Stimme von Jeff Gordon zu Rennbeginn etwas ins Ohr, das wohl aufmunternd gemeint sein soll, nur um einen wenige Sekunden später mit den immer selben Weisheiten der Art „Did you mess up somewhere“ (gerne nachdem man wehrlos von der KI rausgerempelt wurde) oder „Stay smooth“ in den Irrsinn zu treiben. Ich betrachte Pöbeleien in der Abgeschiedenheit meines Heims als valides Mittel des Frustabbaus. Bis mir vorhin aufgefallen ist, dass mein Hund auf einmal knurrt und mit den Zähnen fletscht. Einbrecher? Party bei den Nachbarn? Nee. Komisch. Pause aufgehoben. Weitergespielt. Gescheitert. Luna knurrt wieder. Hund hat erkannt: Wenn Jeff Gordon den Mund aufmacht, regt Herrchen sich furchtbar auf. Wenn der gute Mann, der vermutlich nicht das geringste dafür kann, mir zufällig mal über den Weg laufen sollte, wird er vermutlich erst von Luna zerfleischt und dann von mir an den Ohren an meine PS3 gezerrt und gezwungen alle Nascar Prüfungen auf Gold zu beenden – mit dem PS3-Controller natürlich (etwas, was er vermutlich noch nie gesehen hat) – während ich ihm ununterbrochen was von den Driving-Skills, die ein Nascar-Bolide braucht, ins Ohr brülle. Und eins noch an die obligatorischen Streber, die gleich ankommen und davon erzählen, wie sie alle Nascar-Prüfungen auf Anhieb mit dem Controller und verbundenen Augen auf Gold geschafft haben: Get a life.

Fall 4: Noch eine der Spezial-Aufgaben. Auch eine für Anfänger. Eine Flughafenstrecke aus einer britischen TV-Sendung, soweit ich das mitbekommen habe. Der Fahrbahnbelag besteht anscheinend aus Schmierseife und man darf mit einem uralten VW-Samba-Bus als Letzter starten und gegen eine Horde scheinbar exakt gleich schneller Konkurrenten über die Strecke hinterhertuckern und versuchen das Rennen in 1 oder 2 Runden zu gewinnen. Das ist wie die Nascar-Aufgabe nur – dank der aberwitzigen Motorisierung des VW-Busses von sehr viel früher – mit Einschlafen dabei. Daher bin ich mir bezüglich der Rundenzahl auch nicht mehr sicher. Hat man das geschafft, darf man dann mit ner Elise über den Kurs zuckeln. Wieder die Schmierseife (damit kommt man klar) und wieder scheinbar alle exakt gleich schnell. Mit nem anständig eingestellten Auto geht der Kurs übrigens (auch mit der Elise, wie ich beim British Lightweights Rennen im A-Spec-Modus festgestellt habe). Nur hat man diese Option (anständig einstellen) nicht bei dieser Spezialaufgabe. Und wenn man denkt, dass man mit dem Stück nasser Seife Namens Elise (in echten Leben eigentlich ein wahres Handling-Wunder, wenn man der Fachpresse glauben darf) den Tiefpunkt erreicht hatte, hat man recht. Beim letzten Rennen dieser Spezialdisziplin merkt man nichts mehr von Schmierseife. Das liegt aber an der Höchstgeschwindigkeit von rund 75Km/H der Kübelwagen Baujahr 44 mit denen man dann um den Kurs schleichen muss. Wieder alle exakt gleich schnell und wieder von ganz hinten startend. Schaffbar (auch dank der aus dem Nichts auftauchenden Geisterfahrer …), aber ebenso sinnlos, wie öde, wie für eine Spezialveranstaltung auch schlecht bezahlt. Ich hab mich da nach einem unter Abwinken abgebrochenen frühen Versuch dann erst recht spät ernsthaft rangesetzt und mich dann gefragt, warum ich mir das eigentlich angetan habe.

Von übellaunigen Kritikern werden gerne auch die AMG/Nordschleifen-Spezialaufgaben als zu schwer angeführt – das sehe ich anders. Die sind zwar – insbesondere bei den Regenfahrten – extrem fordernd, aber meiner Meinung nach im Gegensatz zu den Nascar-Aufgaben nicht unfair. Der Status „extrem fordernd“ resultiert hier meiner Meinung nach schlicht aus der gelungenen Umsetzung. Die Nordschleife ist nicht ohne Grund eine Legende, die auch heute noch für Sportwagenhersteller aus aller Welt zum Pflichtprogramm für ihre Erlkönige gehört. Und dieser Abschnitt ist auch mit dem Pad zu meistern.

Und was positives zum Schluss: Highlight der Spezialprüfungen ist meiner Meinung nach die Sebastian Loeb-Herausforderung in den Alpen. Ebenfalls Kategorie extrem fordernd, aber eben auch extrem motivierend, da man an jeder Ecke Optimierungspotential entdeckt und sich so stetig besser werdend voran tastet. So muss das sein. So – natürlich leichter zu Beginn und dann mit steigendem Schwierigkeitsgrad – hätten die Spezialaufgaben alle sein müssen.

Geschenke!

Und jetzt das, warum alle bis hier hin gelesen haben: Ich hab den (natürlich nur virtuellen) Rally-Citroën C4 WRC ’08 (P) von Sebastian Loeb in GT5 zwei Mal gewonnen (einmal regulär nach der Loeb-Herausforderung) und einmal als Zufallsauto. Da man den Wagen erst relativ spät bekommt, ist das ein durchaus nettes Teil. Da ich den nicht zweimal brauche, verschenke ich den an den erstbesten GT5-Spieler in meinem erweiterten Umfeld (diesen Blog lesen ist da vermutlich schon ein gutes Kriterium), der sich bei mir meldet . Dafür ist es dann notwendig eine Freundschaftsanfrage im PSN zu stellen, damit ich das virtuelle Fahrzeug dann auf diesem Wege übertragen kann. Meinen PSN-Namen gibt‘s dann für den freudigen Empfänger des Ingame-Contents.

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